Weinberg am Hopfenberg

Die Hobby-Winzer vom Unstruttal

 

Es ist schon kurz nach 10 Uhr, aber die immer noch nebelverhangenen Straßen von Großvargula sind menschenleer. Niemand, der Auskunft geben könnte, wo es zum Weinberg geht. Dort soll nämlich die einzige Traubenernte im gesamten Unstrut-Hainich-Kreis eingebracht werden.

Großvargula. Kein Schild verrät, welche der unwegsamen Schotterpisten zumHopfenberg führt. Als der sich doch noch aus dem zähen Morgendunst erhebt, offenbart sich eine emsige Betriebsamkeit. 19 Mitarbeiter der Bad Langensalzaer BeschäftigungsgesellschaftRekowuseln auf dem Südhang des Unstrut-Tals herum und schneiden die reifen Früchte der Rebsorte Regent von den Stöcken. Obwohl die meisten hier sonst überhaupt nichts mit der Winzerei zu tun haben, geht die Arbeit schnell voran. Kollateralschäden bleiben bis auf ein paar angezwickte Finger aus, eine Großpackung Heftpflaster liegt stets griffbereit.

 

AuchAndrea Fischer, Geschäftsführerin derReko GmbH, schwingt gut gelaunt die Rebschere. Ihre Firma bewirtschaftet den kleinen Weinberg seit 2003. Expertisen in Sachen Weinbau konnte dort damals keiner vorweisen, man hat es einfach mal versucht.

Um den Einstieg ein wenig zu erleichtern, setzte man auf die Neuzüchtung Regent, die erst kurz vor der Jahrtausendwende die Sortenzulassung erhielt. Die tiefrote Rebe zeichnet sich durch eine ausgeprägte Pilz- und Mehltauresistenz aus. Große Sorgen bereitete den Hobby-Winzern aus dem Unstrut-Tal in diesem Jahr das unstete Wetter: "Im August und im September hatten wir noch nicht mit so einer guten Ernte gerechnet", erzähltFischer, "doch ein Profi hat uns beruhigt." Der erfahrene Weinbauer erklärte dem Winzer-Nachwuchs, dass der Juli entscheidend für die Qualität des Weines ist, und der war schließlich prächtig. "Da erhält der Wein seinen Charakter", zitiertFischerden Experten.

Hohe Oechsle-Werte

Entsprechend können sich die Oechsle-Zahlen des auf 3000 Rebstöcke begrenzten "MonsLupi" sehen lassen. Werte von bis zu 100 Grad auf der Skala, die das Mostgewicht des Traubensaftes bestimmt, konnte Reho-MitarbeiterinSabine Lehmannbei der aktuellen Ernte messen. Das Mostgewicht gilt als wichtiges Qualitätskriterium von Wein, auch wenn ein hoher Wert noch lange keinen guten Geschmack garantiert.

 

Kennern, die angesichts der nicht als Garant für Spitzenweine geltenden Lage des Weinbergs keinen Hehl aus ihrer Skepsis machen, treten die Unstrut-Winzer selbstbewusst entgegen. "Der Anbau amHopfenberghat Tradition, insofern ist der Beweis schon erbracht", erklärt die Geschäftsführerin. Von den 50er Jahren bis Mitte der 90er hatte eine Familie aus dem Dorf den Weinberg betrieben, musste aber nach der Wende wegen des veränderten Weingeschmacks aufgeben - liebliche Weißweine waren einfach nicht mehr gefragt. Gerne verweistFischerauch auf Weinbaugebiete, die noch viel nördlicher als ihres liegen, etwa an Saale oderElbe. Und schließlich darf sich Bacchus dank des Klimawandels heute sogar an Weinen aus Norwegen laben. 

 (Bericht Quelle: TA 15.10.2010)

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